Geschichte
Das
Bohnenviertel entstand als erstes Wohnquartier im 15. Jahrhundert
außerhalb der Stadtmauer.
Vor ihr lagen Wiesen, Äcker, Weinberge,
Wälder und ab dem 16. Jahrhundert der Lazarett-Friedhof.
Seinen Namen erhielt das Bohnenviertel ursprünglich seiner armen Bewohner
wegen, die in ihren Gärten Bohnen anpflanzten. Lange Zeit hingen Bohnen
an Schnüren und Welschkorn an Stangen girlandenartig an den Häusern.
Als 1823 dem Hause Württemberg ein Kronprinz geboren wurde, stand im
Bohnenviertel zu lesen:
"Erbse, Bohne, Linse:
Hurra, mer hent en Prinze!"
Bewohnt wurde das Bohnenviertel von Handwerkern und Weinbauern. Es herrschte
eine friedliche Koexistenz zwischen Weingärtnern, die ab 1900 ihre Rebhänge
als Bauplätze verkauften und Blumen- oder Gemüsehändler wurden, Pfandleiher,
"Vorkäufer" oder Altwarenhändler, Kleinstfabrikanten, jüdische Kaufleute,
Spezereienhändler, Gastwirte und den originellsten Typen der Esslinger
Vorstadt, die "Leonhardsträppler" oder "Leonhardsschlamper". Dies waren
ungepflegte, bescheidene auf Gelegenheitsarbeit wartende Tagelöhner
in markanter Einheitskluft.
Die Bewohner des Bohnenviertels galten in Stuttgart als orginell und
sonderlich. Man sprach von ihnen als "Veschperlesmoischter" und "Knackwurschtprivatiers"
Diese typische Mischung hielt sich über Jahrhunderte. Noch heute finden
sich hier eine Vielzahl von Trödelläden, die neben diversen Cafés, Kneipen
und Weinstuben zum Bummeln einladen.
Nach dem Krieg zerfiel
das Viertel zunehmend.
Ende der 70er Jahre wollte man "soziales Wohnen im Grünen" mit Neubauten
aus dem Bohnenviertel machen.
Heute präsentiert es sich jedoch in liebevoll renoviertem Gewand.
Der Schellenturm ist der letzte erhaltene Turm der Stadtmauer.
Er verdankt seinen Namen den "Schellen" (Metallfesseln), mit denen
früher Sträflinge in seinem Innern festgekettet waren. Heute beherbergt
er ein Speiserestaurant.
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